Sternenhimmel

In diesem Artikel sollen ein paar nützliche Tipps zur Fotografie vom nächtlichen Sternhimmel gegeben werden, wofür sich immer mehr Hobbyfotografen interessieren. Es soll um die Grundlagen und die eigenen Erfahrungen gehen.

Aufnahmen vom Sternenhimmel macht man am besten bei Neumond, sonst hellt dieser den nächtlichen Himmel viel zu sehr auf. In der Nähe von großen Städten wird zudem zuviel künstliches Licht abgegeben. Also sollte man auf’s Land gehen und warten, bis nach Mitternacht die letzten Straßenlaternen verlischen.

Es gilt, möglichst viel Licht von den Sternen einzusammeln und offenblendig zu arbeiten. Ein Objektiv mit großer Lichtstärke ist für Einzelaufnahmen quasi Bedingung. Da darf es auch eine Festbrennweite sein. Für meine ersten Versuche hab‘ ich ein f/1.8er 50mm Pancake von Canon verwendet. Von anderen Herstellern wie Sigma gibt es aber auch Gute, da muss man schauen, was auf das eigene Chassis passt. Und nicht unbedingt muss man den Geldbeutel stark belasten.

Je länger die Brennweite, umso tiefer fotografiert man in den Raum. Mit 135mm bis 400mm gehen Fotografen auf einzelne Objekte, wie entfernte Nebel. Für die Deep-Space-Fotografie braucht es aber technische Unterstützung. Objektive mit 24mm bis 50mm erfassen Sternbilder, ein Weitwinkliges macht sich wiederum für Aufnahmen der Milchstraße gut. So hab‘ ich später ein Tokina 11-16 f/2.8 in Gebrauch genommen, um eine möglichst große Fläche abbilden zu können.

Den AF sollte man abschalten, da eine DSLR in der Dunkelheit kaum in der Lage ist, automatisch zu fokussieren. Da muss man dann selber scharfstellen. Kriegt man das in der Nacht über den Sucher nicht hin, muss man sich irgendwie behelfen. Nicht alle Objektive haben eine Unendlich-Markierung auf dem Fokusring. Sollte die beim eigenen Modell nicht „wandern“, kann man sich die auch im Hellen mit einem Stift oder Klebeband markieren. Viele aktuelle Modelle haben keinen mechanischen Anschlag. Egal, wann man den Fokusring rückbewegt, wird wieder kleiner Unendlich fokussiert. Da kann man manuell in der Dämmerung fokussieren und behält die Einstellungen für die Nacht bei. Und Achtung, manchmal liegt die beste manuelle Einstellung auch kurz vor dem Unendlich-Zeichen…

Denn Schärfe ist wichtig, und so sollte man auch den Verwacklungsschutz abstellen. Der kann sich auf einem Stativ negativ auswirken, und man braucht sowieso ein Fotostativ und einen guten Stand auf erschütterungsfreiem Untergrund. Damit der Druck auf den Auslöser nicht schon das Bild verwackelt, benutzen viele einen Fernauslöser. Der kann gerne einfach und kabelgebunden sein. Erst, wenn man Serienbilder für Timelapseaufnahmen machen möchte, empfiehlt sich ein teures Gerät. Da finden sich nicht nur programmierbare, sondern auch zweiteilige Geräte, die per Funk oder Infrarot auslösen. Am Ende tun es auch die eingebauten Funktionen, und man kann an der Kamera einfach eine Zeitverzögerung einstellen.

Auch eine Streulichtblende ist nicht zu verachten, trotz, dass vielleicht mitten in der Natur kein plötzlich auftauchendes Auto mit grellen Scheinwerfern zu erwarten ist. Die hilft bei kühlem Wetter gegen Beschlageffekte auf der Linse.

Im manuellen Modus stellt man bei möglichst kleiner Blende noch den ISO-Wert ein. Manchmal ist es anzuraten, nicht den kleinsten möglichen Blendenwert zu verwenden, wenn das eigene Objektiv nicht so super gut ist und Probleme damit hat. Die ISO-Empfindlichkeit könnte man relativ groß wählen, aber bei zu großen Werten kommt mehr oder weniger Rauschen ins Bild, je nachdem, wie gut der Kamerasensor ist. Das fällt vor dem dunklen Hintergrund am Himmel leider besonders auf und lässt sich bei den zierlichen Sternpunkten in der Nachbearbeitung kaum noch korrigieren. Die Erfahrung zeigt, dass man nicht höher als ISO 1600 gehen sollte. Demnach muss die Belichtung relativ lang gewählt werden. Ein Problem nur, dass sich das Sternbild relativ zum Aufnahmestandort bewegt. Hier kann man Berechnungsformeln aus dem Web heranziehen. Da wird gezeigt, wie lange man beim jeweiligen Sensorformat maximal belichten darf, ohne dass im Foto später Verbeulungen oder Leuchtspuren zu sehen sind. Bis 15s ist man auch bei APS-C-Sensoren von preiswerten Kameras noch in einem sicheren Bereich.

Schließlich sollte man sich noch die Einstellungen für die Rauschunterdrückung und Kantenglättung am Gerät anschauen. Die schaltet man am besten ab oder verringert sie. Beim Format hat man bei den Rohdaten die größten Freiheitsgrade, aber ein TIFF oder JPEG mit geringer Komprimierung sind auch OK. Jetzt kann man auf Jagd gehen und es zeigt sich, ob man bei diesen Einstellungen und dem aktuellen Objektiv genug Details am Himmel einfangen kann.

Das gilt auch für längere Brennweiten, hier muss man aber das Objektiv mit einem Motor nachführen, um länger Zeit für die Belichtung zu haben. Ansonsten würden die besagten Streifen durch das Ziehen der Sterne entstehen. Es braucht spezielle Antriebe, die immer auch einen Polfinder enthalten. Denn die Mechanik muss vorher gut ausgerichtet werden, damit die Befestigungsachse der Kamera möglichst genau zum Nordstern zeigt. Manche machen da auch Effektaufnahmen von dieser Szenerie.

Wir haben uns da ‚mal eine Nachführung in einem Projekt mit Stativ und eigener Mechanik, Schrittmotor, Mikroprozessorplatine und diverser Software selbst gebaut. Etwas simpler als kaufliche Antriebe, aber in der Summe auch deutlich preiswerter. Über Taster und OLED-Display werden Voreinstellungen vorgenommen und die Bewegung der Kamera gestartet. Die sitzt auf einem Kugelgelenk. Ein Sucherfernrohr mit Fadenkreuz hilft bei der Ausrichtung zum Nordstern. Das Wesentliche bei der Mechanik ist die Polwiege, die wurde auf einem käuflichen Stativ neu aufgesetzt.

Hilfsmittel bei der Einrichtung im Dunkeln kann zuerst ein Kompass sein, in dem man den kompletten Stativaufsatz Richtung Norden dreht. Da ist man nicht genau bei 360°, aber feinjustieren kann man später. Die Polwiege macht den Winkel nach oben, der ist durch den Breitengrad bestimmt, bei uns zu Hause sind das 50,49 Dezimalgrad. Eine Wasserwaage am Stativ ist gut für die Grundeinrichtung, dann kann man die Wiege auf seinen lokalen Wert einstellen. Im Sucher erscheint jetzt vielleicht schon der Polarstern, und man kann korrigieren.

Besonders genaue Vorrichtungen besitzen zum Fadenkreuz noch einen Kreis, weil Polaris um den genauen Einrichtungspunkt kreist. Aber so genau braucht man es nicht und hat beim Eigenbau sowieso genug Toleranzen. Wichtig eher, dass man in der Dunkelheit überhaupt zurecht kommt. Den Polarstern findet man in der Verlängerung des hinteren Teil vom großen Wagen (Großer Bär), der Kleine hängt unmittelbar daran. Jetzt liegt die Befestigungsachse der Kamera also auf der Achse zum Nordstern und jede Drehung läuft mit der virtuellen Bewegung des Sternhimmels mit. Man kann also mehrere Aufnahmen im Sekundenabstand machen und diese dann leicht zu einer resultierenden Aufnahme in einer Bildbearbeitung kombinieren. Dort tut man dann auch eventuelle Ungenauigkeiten wieder ausmerzen.

Werden bei extremen Brennweiten die Objektive zu schwer, satteln Profis diese auf Teleskope auf. Oder man führt nicht mehr kontinuierlich nach, sondern bedient sich spezieller Software (DeepSkyStacker) für das Stacking einer großen Anzahl von Einzelaufnahmen. Die positioniert die einzelnen Frames mit einem Algorithmus, wo auch Dark-, Light- und Biasframes mit einbezogen werden. Natürlich kann man das auch für kurze Brennweiten nutzen, ist aber eine spezielle Kategorie und es wird im Gegensatz zu Einzelaufnahmen mit richtig hohen ISO-Werten gearbeitet, sonst würden die einzelnen Frames zu wenig Helligkeitsstufen bieten. Da scheiden dann auch 8bit-Bildformate wie JPEG aus und man sollte mit RAW-Formaten zwischenspeichern.

Wer sich da nicht ranwagen möchte, kann bei kleinen und mittleren Brennweiten auch den Mittelweg gehen, in dem man wenige Aufnahmen hintereinander macht und diese nachher in einer Bildbearbeitungssoftware als einzelne Layer in Position bringt und aufaddiert. Damit lassen sich auch Rauschen reduzieren und Kontraste erhöhen, man muss aber mit fixen Bildbestandteilen wie Landschaft am Horizont umgehen können, oder man lässt diese weg. Somit wären wir wieder bei der einzelnen Aufnahme. Eine geeignete Software zur Nachbearbeitung empfiehlt sich da natürlich auch. Und möglichst wenig Lichtsmog sollte es geben. Also weg vom Mond und, möchte man den eigentlich zu hellen Horizont nicht als Effekt nutzen, möglichst in die Höhe fotografieren.

Für die Mondphasen, zur Ermittlung eines besonders dunklen Standorts und zur Identifizierung von Sternen(bildern) gibt es diverse Karten und Apps, wie „Stellarium“. Nicht zuletzt kommt es auch auf die sonstige Ausrüstung an. Manchmal denkt man nicht an die kleinen Dinge, wenn man draußen unterwegs ist. Das Handy ist sicher mit dabei, aber auch eine Taschenlampe zum nächtlichen Ablesen, ein Ersatzakku für die Kamera und etwas zu Trinken machen sich gut. Wenn’s mal wieder länger dauert.

Das Ablichten des Monds ist übrigens eine ganz andere Disziplin, hier arbeitet man für gute Ergebnisse mit großen Blendenzahlen. Dann kriegt man trotz seiner großen Leuchtkraft eine gut strukturierte Mondoberfläche.

Swen Hopfe

 

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