Blendensterne

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Oft sieht man in Aufnahmen mit Lichtquellen Strahlen oder Sterne. Manchmal passiert das nebenher, aber man kann auch gezielt darauf hin arbeiten und sie so als Gestaltungsmittel nutzen. Denn solche Lichtsterne oder besser „Blendensterne“, entstehen aus physikalischem Prinzip.

An kleinen Blendenöffnungen wird das einfallende Licht besonders gebeugt. Wird die Blendensteuerung im Objektiv mittels Lamellen bewerkstelligt, ist der äußere Rand ein Polygon und nicht gleichmäßig kreisrund. Damit entstehen die diversen Strahlenmuster. Bei einer geraden Anzahl an Berührungspunkten der Lamellen bekommt man die gleiche Anzahl an Strahlen. Bei einer ungeraden Anzahl überlagern sich die Strahlen nicht und man erhält doppelt so viele. Im Bild erzeugt unser Nikkor-Z-Objektiv 18 Strahlen. Der Schließer sollte also neun Lamellen haben.

Wirklich wichtig für das Künstlerische ist das natürlich nicht. Um ein befriedigendes Ergebnis zu erhalten, sind eher noch ein paar Randbedingungen von Belang. So sollte die Lichtquelle stark genug und auf einen Punkt konzentriert, die Umgebung dunkel genug sein. Damit ein Sterneffekt entsteht und genug Kontrast zum Hintergrund da ist, um ihn überhaupt sehen zu können. Der Effekt wird umso breiter und unschärfer, je mehr Fläche der Lichtpunkt hat. Strahlen von der Sonne bekommt man also am besten, wenn sie teilweise verdeckt ist. Wer solche Aufnahmen machen möchte, sollte sich generell eine Streulichtblende anschaffen.

Im Automatikmodus wird die Kamera bei wenig Licht jedoch mit weit geöffneter Blende arbeiten. Deshalb muss fast immer manuell nachgeholfen werden, so ist man im manuellen Modus, oder nutzt die A/Av-Einstellungen. Nur dann erreicht man eine richtig starke Sternbildung, auch bei Zimmerlichtstärke noch. Beim Testen merkt man schnell, dass man mit moderaten ISO-Werten und großer Blendenzahl schon abends relativ lange belichten muss. Bei einem nächtlichen Motiv können da mitunter 20 Sekunden und mehr notwendig sein. Je nach Lichtstärke vom Apparat und ob man eine helle Fußgängerzone oder ein Einzelobjekt vor sich hat.

Klar kann man Kompromisse mit den ISO-Werten machen, um die Belichtungszeiten zu verringern. Aber im Sinne einer möglichst rauschfreien Aufnahme ist aus der Hand fotografieren hier keine gute Idee. Es braucht also ein Stativ. Und dann ist man gleichzeitig auch in der Lage, eine Belichtungsreihe zu machen, um später mehrere Bilder miteinander zu kombinieren. Ein gutes Hilfsmittel, um etwa dunkle Bereiche in der Aufnahme aufzuhellen, guten Stand vom Stativ vorausgesetzt. Zur Not tut es wie immer eine gerade Auflage auf einer Mauer oder das Fixieren an einer Straßenlaterne zum Beispiel. Durch die lange Belichtungszeit werden minimale Erschütterungen beim Auslösen eliminiert. Aber vielleicht habt ihr da auch einen Fernauslöser in Gebrauch. Da geht es nicht um die Programmierung, sondern dass Kamerateil und Handteil per Funk oder Kabel erschütterungsfrei entkoppelt sind. Alternativ tut es die Kamera-App oder die eingebaute zeitverzögerte Auslösung.

Ein netter Nebeneffekt der langen Belichtungszeiten ist, dass sich bewegte Objekte verschwommen, mit Bewegungsunschärfe darstellen, wenn man etwa Personen oder Gesichter wie auf dem Weihnachtsmarkt kaschieren muss. Das erledigt sich dann elegant von selbst. Natürlich schwierig wiederum, wenn sich Girlanden oder Zweige im Wind bewegen. Will man nicht diverse Effekte erzeugen, ist hier Windstille der Freund vom Fotografen, aber der kennt das ja schon aus ganz anderen Projekten.

Im Normalfall soll natürlich nicht von jedem hellen Punkt im Bild ein Sterneffekt ausgehen. Auch nicht in einer Gegenlicht-Situation. So sind moderne Kameras und Objektive darauf abgestimmt, dass eben dies im „Alltag“ nicht passiert. Deshalb braucht es mitunter Blendenwerte von 18 bis 20, um einen nennenswerten Effekt zu erreichen. Mit einem 35mm-Objektiv und Kamera mit Crop-Sensor kann es aber schon bei f/14 gelingen und f/22 ist dann für den persönlichen Geschmack fast zuviel. Größere Sensoren mit größeren Optiken erzeugen viel weniger Sterneffekt. Da gilt es eben mit dem eigenen Equipment auszuprobieren.

Um diverse Strahlenmuster unter Normalbedingungen zu forcieren, werden auch „Sternfilter“ angeboten. Da besitze ich auch einen. Bei solchen Teilen ist ein Linienmuster in die Glaswand graviert. Es gibt sie als 4er, 6er und 8er-Modell, je nachdem, wie viele Strahlen man mag. Mit so einem Aufsatz soll man unabhängig von der Blende Effekte erzeugen können. Das gelingt aus eigener Erfahrung im Halbdunkel, längerer Brennweite und bei wenig Seitenlicht, richtig begeistert bin ich deshalb nicht. Am Ende ist man enttäuscht von Regenbogenfarben und zu breiten Streifen. Ähnlich skeptisch bin ich da bei Software, welche den Effekt im Nachhinein einbringen soll. Die ist mir noch zu fehleranfällig und macht keinen richtig natürlichen Eindruck. Da lob ich mir doch die Erzeugung allein aus den Kameraeinstellungen heraus.

Am besten für solche Aufnahmen finde ich immer noch die „blaue Stunde“. Das soll aber kein Dogma sein. Aufkommende Sonne, Nachtaufnahmen in der Stadt und Weihnachtslichter sind besonders schön. Jetzt kommt es noch darauf an, dass ihr mit eurer Ausrüstung dabei nicht der Störfaktor auf überlaufenen Plätzen seid. Nebenbei, gerne bin ich da zu Zeiten, wo weniger los ist. Hab‘ aber bisher nur gute Erfahrungen gemacht…

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